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Eine (ehemals) überzeugte Nichtläuferin unterwegs zu ihrem ersten Halbmarathon – Teil 2

Teil 1 liegt schon sehr lange zurück – höchste Zeit für den zweiten Teil. Ich kann schon vorab verraten: Geradlinig war der Weg nicht. Und das Ziel steht noch aus. Vielleicht sollte ich den Titel auch ändern in „Eine, die immer wieder bei Null anfängt“.

Nachdem ich meine Mittelfußprellung im Sommer 2011 auskuriert hatte, konnte ich ziemlich bald wieder ins Laufen einsteigen. Ich lief regelmäßig meine fünf bis sechs Kilometer lange Runde. Es tat mir gut, war der ideale Ausgleich zum Bürojob plus Teilzeitstudium. Wettkämpfe oder Läufe waren zu der Zeit nicht in meinem Plan, das Laufen betrieb ich nur aus Spaß an der Bewegung.

Im Frühjahr 2012 lernte ich meinen jetzigen Mann kennen und mit ihm das Mountainbiken. Nach den ersten Testfahrten auf seinem Mountainbike war mir schnell klar: willichhaben. Ich war zwar schon seit langem überzeugte Radlerin, aber bis dahin eher so die „Von-A-nach-B-Fahrerin“. Wenn ich Sport treiben wollte, ging ich laufen. Nun zog aber im Sommer ein schickes Mountainbike bei mir ein, und es war die ideale Ergänzung zum Lauftraining.

(Leider hat es andersrum nicht so ganz geklappt. Mein Mann zeigte guten Willen und ging ein paar Runden mit mir laufen, aber es wurde nie seins. Also lief ich halt allein weiter. Bin eh nicht so die gesellige Läuferin.)

2012 blieb ich vom Verletzungspech verschont. Dafür hatte ich Zwangspause, als bei mir im Herbst ein unterirdischer Hämoglobinwert festgestellt wurde. (Keine Ahnung, wie ich damit noch Tage vorher laufen und die Berge hochradeln konnte!) Erst als die Werte wieder einigermaßen normal waren, konnte ich vorsichtig wieder anfangen und dann über den Winter und Frühling kontinuierlich laufen. Beim Firmenlauf im Mai 2013 lief ich 5,87 Kilometer in 30,06 Sekunden (und wurde von meiner Kollegin am nächsten Morgen mit „Na, du Rennsemmel?!“ begrüßt).

Im Juli 2013 zogen wir in eine größere Wohnung. Während des Umzugs blieb wenig Zeit und wenig Kraft fürs Laufen, so dass mein Training fast zwei Monate flach fiel. Aber da war doch noch was…? Richtig, Jakobuslauf, drei Jahre vorher der Auslöser für meine ersten Laufversuche. Nachdem ich jetzt schon zweimal hintereinander nicht teilnehmen konnte (2011 war ich verletzt, 2012 klappte es wegen irgendwelcher Terminprobleme nicht) wollte ich dieses Mal endlich dabei sein. Vor den zehn Kilometern hatte ich zwar Respekt, dachte mir aber, dass ich da schon irgendwie durchkomme. Kam ich auch – auch wenn es teilweise ziemlich hart war. Auf den letzten paar hundert Metern konnte ich auf der Kirchturmuhr erkennen, dass ich es noch unter einer Stunde schaffen konnte, wenn ich mich beeilte. Und ich beeilte mich! Irgendwo hatte ich noch ein paar Reserven, die es mir erlaubten, gefühlt über die Zielgerade zu fliegen. Im Vorbeigehen hörte ich ein Kind zu seinen Eltern sagen: „Die rennt ja noch richtig!“ Und ich schaffte es tatsächlich über die Ziellinie, während die Uhr dort (der Lauf ist ohne Einzelzeitnahme) auf 59 Minuten irgendwas stand.

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Doch, ich hab mich gefreut im Ziel. Echt jetzt.

Irgendwann in der Zeit nach dem Jakobuslauf kam die Idee mit dem Halbmarathon auf. Wenn ich schon, ohne groß drauf zu trainieren, einen Zehn-Kilometer-Lauf in weniger als einer Stunde schaffen konnte, dann sollte mit dem richtigen Training doch auch ein Halbmarathon klappen, oder? Ausgesucht habe ich mir letztendlich dann den Halbmarathon in Ingolstadt. Der sollte im April 2014 stattfinden, und Ingolstadt mag ich sowieso, seit dich dort studiert habe (und damals in meiner Studienzeit schon Zuschauerin beim ersten Halbmarathon war. Natürlich noch als überzeugte Nichtläuferin).

Ich suchte mir also irgendwo online einen Trainingsplan mit zugehöriger App und begann zu laufen. Viel zu schnell, wie ich jetzt im Nachhinein weiß. (Da mir das Laufen so viel Spaß macht, neige ich eigentlich *immer* dazu, zu schnell zu laufen. Wenn ich mal bewusst langsam laufen will und mich fühle wie eine Schnecke, ist die Pace nachher tatsächlich etwa 5 Sek./km langsamer. Eine meiner Baustellen, bis heute.)

Die App war jedenfalls begeistert von meinem Lauftempo und gab mir auch entsprechend schnelle Zeiten für die Trainingsläufe vor, mit denen ich mich komplett überlastete. Was sich schließlich rächte. Ich hatte – zuerst nur beim Laufen, später auch zunehmend ohne mich zu bewegen – Schmerzen in der rechten Leiste. Die ich erstmal ignorierte nach dem Motto: Ist von selbst gekommen, geht auch von selbst wieder. Ging es nicht. Irgendwann fand ich mich beim Orthopäden, später beim Physiotherapeuten wieder. Was für Schmerzen das genau waren, weiß ich bis heute nicht. Aber ausgelöst wurden sie – da bin ich mir ziemlich sicher – durch das zu intensive Training. Und weg gingen sie letztendlich mit Tapen und – ja – Trainingspause.

Meinen Halbmarathon sagte ich ab. Meine ersten fünf Kilometer lief ich wieder irgendwann im Sommer.

Baustelle: langsam laufen

Hallo! Ich heiße Elke, und ich habe ein Problem: Ich kann nicht langsam laufen. Okay, auch nicht so richtig schnell. Aber im Training laufe ich nicht so langsam wie ich sollte, sondern aus lauter Begeisterung schon mal knapp an meiner Wettkampfgeschwindigkeit (5 km: im Training 29:48, im Wettkampf 27:31). Und auch wenn ich mir explizit vornehme, heute gemütlich zu laufen, komme ich dann doch wieder mit einer 6:15er-Pace nach Hause.

Nun möchte ich aber nach meiner x-ten Verletzungspause nicht denselben Fehler zum dritten Mal machen, wieder zu schnell laufen und dann wieder verletzt und frustiert pausieren müssen. Letzte Woche habe ich mir aus der Bibliothek das Laufbuch von Steffny geholt und versuche nun, mich ans „vernünftige“ Training heranzutasten. Ich habe mir mal den Trainingsplan für 10 Kilometer in 54 Minuten vorgenommen. Und da ist in der ersten Woche ein „ruhiger Dauerlauf“ von 9 km in 60 Minuten vorgesehen. 6:40 min/km. Also wirklich langsam. Wie bekomme ich das hin?

Ich krame meine Laufuhr heraus. Die wollte ich eigentlich nicht mehr benutzen, um mich nicht unter Druck zu setzen. Aber in dem Fall ist es ja andersrum: Ich brauche die Uhr, um mich einzubremsen.

Ich starte die Uhr und laufe los. Der erste Kilometer zählt nicht, das ist der Hindernislauf, um aus unserem Viertel rauszukommen: Schulkinder, Baustellen, Fußgängerampeln. Als ich endlich auf einer einigermaßen ruhigen Strecke bin, geht es ausgerechnet bergab. Ich bremse, schaue auf die Laufuhr: zu schnell. Bremse weiter – Laufuhr sagt immer noch: zu schnell. Ich habe das Gefühl, das ständige Bremsen strengt mich mehr an als das schnellere Laufen. Vermisse den Schwung, den ich sonst aus jedem Schritt mitnehme.

Es fühlt sich an wie Zeitlupe. Aber interessanterweise komme ich doch gut voran, und bin früher als gedacht im Park, den ich als „Wendepunkt“ ausgesucht habe. Gerade jetzt kommt die Sonne raus.

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So mag sogar ich den Herbst.

Nachdem ich das Foto gemacht und das Handy wieder eingepackt habe, laufe ich weiter. Und auf einmal läufts. Auch mit weniger Tempo. Ich habe nicht mehr wie vorhin das Gefühl zu schleichen, sondern tatsächlich zu laufen. Und es fühlt sich gut an. Auf einmal verstehe ich, was mit diesen Aussagen wie „Du solltest dich noch unterhalten können“ gemeint ist. Nicht dass ich auf einmal das Bedürfnis hätte zu reden – das habe ich beim Laufen nie. Aber ich könnte, wenn ich wollte. Und ich habe das Gefühl, ich könnte in diesem Tempo noch sehr weit laufen, ohne irgendwie müde oder erschöpft zu sein.

Aber es sollen ja nur 9 Kilometer werden, also geht es schon wieder heimwärts. Ich habe sogar noch Reserven, um den kurzen Bergauf-Abschnitt kurz vor dem Ziel mit gleichbleibendem Tempo zu laufen. Und schaffe beinahe eine Punktlandung, sowohl was die Strecke als auch was die Zeit betrifft.

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Geht doch 🙂

 

Fazit: Ich kann langsam laufen, wenn ich will. Und ich glaube, es kann sogar Spaß machen!

 

Tierschutzlauf Wien 2016

Ende September bis Anfang Oktober war unser Urlaub geplant: zuerst eine Woche Wachau, danach vier Tage Wien. Und zufällig hatte ich festgestellt, dass genau in dieser Zeit der Tierschutzlauf stattfinden würde. Mit fünf Kilometern auch genau die richtige Länge für mich, nachdem ich gerade erst wieder nach über einem Jahr Pause wieder mit dem Laufen angefangen hatte.

Am 2. Oktober 2016 war es dann soweit. Ganz ehrlich: Ich hatte darauf hingefiebert und war auch etwas nervös. Aber vor allem freute ich mich unglaublich darauf, endlich wieder an einem Lauf teilzunehmen.

Trainiert hatte ich in den zwei Wochen vorher nicht wirklich – es sei denn, Mountainbiken und lange Wanderungen zählen als Laufvorbereitung. Nicht wirklich, wenn man sich auf einer Über-20-Kilometer-Wanderung selbst so schrottet, dass man am Abend gar nichts mehr bewegen kann… Lag aber wohl vor allem an meinen uralten Wanderschuhen, denn die nächste Wanderung (in meinen heiligen Laufschuhen!) klappte deutlich besser.

Am Samstag kamen wir also in Wien an. Dass unser Hotel direkt am Prater liegt, wo auch der Lauf stattfand, hatten wir vorher schon festgestellt. Das schöne Wetter nutzten wir auch gleich für einen Spaziergang im Prater. Dabei konnten wir schon mal auskundschaften, wo Start und Ziel das Laufs am nächsten Tag liegen würden.

Am Sonntag bin ich dann schon entsprechend früh wach (hatte ich erwähnt, dass ich nervös war?). Kaffee gibt es im Hotel, danach schicke ich meinen Mann allein zum Frühstück ins Café, während ich zum Prater gehe und meine Startnummer abhole („Ich hol die so früh wie möglich ab, nicht dass da nachher die megalange Schlange ist.“). Tatsächlich ist dort gar keine Schlange, denn die Startnummernausgabe öffnet gerade erst. Dann zurück ins Hotel, eine Banane und einen Müsliriegel frühstücken, auf meinen Mann warten. Startnummer und Zeitnahmechip an mir befestigen, dann spazieren wir irgendwann gegen Mittag los und bekommen gerade so mit, wie die Teilnehmer*innen des Schüler*innenlaufs ins Ziel rennen.

Das Wetter ist ideal zum Laufen: Im Vergleich zum Vortag hat es deutlich abgekühlt, es ist bedeckt, aber nicht wirklich kalt. Ein Wetter also, das man beim Laufen nicht als Wetter wahrnimmt. Das einen einfach in Ruhe lässt. Wunderbar.

Wir bummeln etwas durch die Stände (Infostände von VGÖ und VGT, vegane Essensstände), und bald geht es dann auch schon zum gemeinsamen Warm-Up und danach direkt an die Startlinie. Ich reihe mich eher im hinteren Feld ein, da ich ohne irgendein Zeitziel laufen möchte, einfach nur aus Spaß – und weil ich so ein Event wie einen Tierschutzlauf gerne unterstütze, wenn ich schon vor Ort bin!

Los gehts. Ich habe meine bewährte Laufmusik auf den Ohren und finde so auch ziemlich schnell meinen Rhythmus. Merke, dass es gut läuft. Und genieße es einfach. Ziemlich bald sind wir auch schon am ersten Wendepunkt beim Lusthaus. Auf dem Rückweg noch ein kleiner Schlenker auf die Lusthausstraße, danach geht es relativ bald schon wieder zurück ins Ziel. Denke ich mir so. Der „kleine“ Schlenker entpuppt sich dann aber doch als länger als gedacht, und wieder zurück auf der Hauptallee ist das Ziel zwar in Sicht, aber noch nicht so wirklich nah. Es folgt der zähste Teil des Rennens: Gefühlt kommt das Ziel keinen Meter näher, dafür strengt es mich immer mehr an. Also: Laufen. Nicht aufs Ziel schauen. Immer nur die nächsten Schritte. Mist. Immer noch so weit. Du sollst nicht aufs Ziel schauen! Und so weiter…

Irgendwann kann ich dann doch sogar schon die große Uhr am Ziel sehen, und ich merke, dass ich es unter 30 Minuten schaffen kann (dass wir zwei Minuten später als angekündigt gestartet sind, weiß ich da noch nicht). Lege noch einen Zahn zu (keine Ahnung, woher diese Reserven immer kommen). Verliere einen Ohrstöpsel, aber „Egal, jetzt nichts wie ins Ziel!“ Höre den Moderator: „Gut eingeteilt!“ und renne über die Ziellinie. 00:27:31,8 und damit 7. von 31 in meiner Altersklasse – gar nicht mal so übel.

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Mein Mann wartet im Ziel, packt mich in die Jacke. Ich brauche erstmal was zu trinken. Und danach was zu essen. Wo gibt es schon sonst komplett vegane Zielverpflegung? Ich hol mir einen Apfel und ein paar Brote mit Wilmersburger. Damit reihe ich mich in die Schlange ein, um meinen Zeitnahmechip zurückzugeben und meine Medaille und mein „Finisher-Sackerl“ in Empfang zu nehmen. Zwischenzeitlich kommt vom Moderator die Ansage, das vegane Chili am Stand sei echt lecker, aber leider ausverkauft. Toll. Wir beschließen, erst aufs Zimmer zu gehen, damit ich duschen kann, und uns danach ein schönes veganes Plätzchen zu suchen.

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Das „Finisher-Sackerl“ mit Inhalt – eine wirklich tolle Mischung!

Das finden wir dann auch im I Love Veggie Burger (leider funktioniert der Link zum Restaurant aus irgendeinem Grund gerade nicht), wo es nicht nur wahnsinnig leckere vegane Burger gibt, sondern auch sensationelle Home Fries dazu. So gestärkt können wir sogar noch eine kleine Zu-Fuß-Sightseeing-Tour zur Hofburg, zur Oper und zum Stephansdom anhängen, bevor wir uns am Donaukanal entlang wieder auf den Heimweg ins Hotel machen.

Ein rundum toller Tag und vor allem eine super organisierte Laufveranstaltung! Es macht unheimlichen Spaß, zusammen mit Gleichgesinnten für eine gute Sache an den Start zu gehen. Wenn ich mal wieder zu der Zeit in Wien sein sollte, bin ich gerne wieder mit dabei!

 

Eine (ehemals) überzeugte Nichtläuferin unterwegs zu ihrem ersten Halbmarathon – Teil 1

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als ich jeden Gedanken ans Laufen weit von mir wies. Zu anstrengend, zu langweilig, und überhaupt – das kann doch niemandem Spaß machen. Schau dir doch nur die gequälten Gesichter der Läufer an, die dir beim Spaziergang oder bei der Radtour entgegenkommen! Nein, ich war mir sicher: Laufen ist nicht mein Sport und wird es auch niemals sein.

Ich erinnere mich aber auch noch genau an den Tag, an dem sich das änderte. Und zwar schlagartig. Es war der 24. Juli 2010 – Jakobuslauf bei uns in der Stadt, zehn Kilometer ohne offizielle Zeitmessung, sondern unter dem Motto „Gemeinsam unterwegs sein“. Ein guter Bekannter von mir lief mit, ich war zum Sanitätsdienst dort. Und ich weiß noch gut, wie ich vor dem Start zu ihm sagte: „Du könntest mir jetzt sonstwas versprechen, aber ich würde hier nie mitlaufen.“ Der Lauf startete, ich schaute mir die Läufer an – und auf einmal dämmerte mir, wie viel Spaß das machen kann, mit vielen Gleichgesinnten zusammen diese Strecke zu laufen. Und während ein Läufer nach dem anderen wieder ins Ziel kam, versprach ich mir selbst: Ich möchte das auch erleben! Nächstes Jahr laufe ich hier mit!

Gleich am nächsten Tag – es war ein Sonntag – kramte ich meine uralten Laufschuhe heraus. Die stammten noch aus Studentenzeiten, als ich ab und zu mal eine kurze Strecke laufen war. Für den ersten Versuch taten die es allemal. Im benachbarten Park wollte ich nur mal ausprobieren, ob ich überhaupt eine Runde schaffe. Ich lief los – und es funktionierte! Nein, es funktionierte nicht nur, es machte Spaß! Die eine Runde hatte ich schnell geschafft, eine zweite sollte noch drin sein. Und dann wurde es noch eine dritte. Im Nachhinein kann ich nur noch schätzen, aber ich bin bei meinem ersten Versuch wohl so zwischen 30 und 40 Minuten gelaufen. Über den Muskelkater am nächsten Tag sage ich jetzt mal nichts…

Das war mein Einstieg. Ich glaube, am meisten faszinierte mich damals, dass ich es einfach so geschafft hatte. Ich war eigentlich als Kind schon die absolute Sportniete, die im Sportunterricht nicht einmal die paar Runden Warmlaufen durchhielt. Zu meinen schlimmsten Erinnerungen gehört noch heute eine Laufrunde über zwei oder drei Kilometer, die wir ebenfalls im Sportunterricht absolvieren mussten. Für mich damals eine einzige Quälerei, die mir die Lust aufs Laufen auch erstmal für lange Zeit verdorben hat.

Aber nun war es auf einmal anders. Ich konnte laufen. In den nächsten Tagen las ich mich quer durch Internet, fand dort Pläne für Einsteiger und fand heraus, dass es für den Anfang besser ist, zwischen Gehen und Laufen zu wechseln. Die nächsten Laufrunden absolvierte ich also mit Küchenwecker in der Tasche – zwei Minuten laufen, eine Minute gehen. Fühlte sich gut an. Die Laufphasen wurden länger, die Geheinheiten kürzer und weniger. Und das Wichtigste: Es machte immer noch Spaß. Ich freute mich auf jede Laufrunde. Schon bald lief ich (nach Plan) 30 Minuten am Stück und war stolz wie sonstwas.

Kurz darauf fand bei mir um die Ecke ein Wohltätigkeitslauf statt. Es gab zwei Streckenlängen: fünf Kilometer und acht Kilometer. Da meine normale Laufrunde zu der Zeit schon etwa fünf Kilometer betrug, meldete ich mich gleich mal für die acht Kilometer an. Am Lauftag selbst war tolles Laufwetter – sonnig, aber nicht zu heiß, und die Atmosphäre schon vor dem Start packte mich sofort. Ich lief einfach im Rudel mit – natürlich viel zu schnell vom Start weg. Für die ersten drei Kilometer brauchte ich gerade mal eine Viertelstunde. Das machte sich dann auch auf den nächsten Kilometern bemerkbar – vor allem auf dem letzten. Aber ich hatte mein Mantra: Ich werde über die Ziellinie laufen! Laufen, nicht gehen. Und schon gar nicht kriechen. Ich schaffte es – in etwas mehr als 48 Minuten. So hatte ich nun schon meinen ersten Lauf absolviert – nicht ganz zwei Monate, nachdem ich mit dem Laufen angefangen hatte.

Die schnelle Steigerung rächte sich. Ich hatte Schmerzen in den Knöcheln, vor allem morgens waren meine Knöchel regelrecht steif. Andererseits ging es mir in dieser Zeit psychisch sehr schlecht, und das Laufen war das einzige, was mir half, was wenigstens für eine halbe Stunde am Tag meine Mundwinkel nach oben ziehen konnte. Ich machte eine oder zwei Wochen Pause, lief dann aber weiter, weil es nicht anders ging. Ich brauchte das Laufen. Bei meinen nächsten Läufen achtete ich darauf, bewusst langsam zu laufen. Mit der Zeit wurden die Schmerzen weniger – ich weiß bis heute nicht, was es war.

Auch im Winter lief ich weiter. Ja, ich entdeckte meine Begeisterung für das Laufen im Winter, die bis heute ungebrochen ist. Gerade, wenn es draußen kalt ist, gibt es nichts Schöneres, als seine Runde zu drehen und zu spüren, wie der ganze Körper langsam von innen heraus warm wird. Man kann aber auch nie überhitzen wie im Sommer, denn die Kühlung bekommt man ja von außen gratis dazu. So sehr ich also sonst Sommerkind bin – für das Laufen bevorzuge ich die winterlichen Temperaturen!

Leider kam dann Anfang 2011 das Verletzungspech. Zuerst blieb ich mit meinem kleinen Zeh am Türrahmen hängen, was mir eine äußerst schmerzhafte Prellung und eine Laufpause von fast zwei Monaten bescherte. Danach tat ich mich schwer damit, wieder ins Lauftraining einzusteigen, und Ende Juni trat ich dann beim Baden im Meer so unglücklich auf einen Stein, dass ich mir eine Mittelfußprellung zuzog, mit der ich ebenfalls wieder über sechs Wochen meinen Spaß hatte. Der Jakobuslauf im Juli war damit gestorben – ich radelte mal wieder als Sanitäterin mit.