Baustelle: langsam laufen

Hallo! Ich heiße Elke, und ich habe ein Problem: Ich kann nicht langsam laufen. Okay, auch nicht so richtig schnell. Aber im Training laufe ich nicht so langsam wie ich sollte, sondern aus lauter Begeisterung schon mal knapp an meiner Wettkampfgeschwindigkeit (5 km: im Training 29:48, im Wettkampf 27:31). Und auch wenn ich mir explizit vornehme, heute gemütlich zu laufen, komme ich dann doch wieder mit einer 6:15er-Pace nach Hause.

Nun möchte ich aber nach meiner x-ten Verletzungspause nicht denselben Fehler zum dritten Mal machen, wieder zu schnell laufen und dann wieder verletzt und frustiert pausieren müssen. Letzte Woche habe ich mir aus der Bibliothek das Laufbuch von Steffny geholt und versuche nun, mich ans „vernünftige“ Training heranzutasten. Ich habe mir mal den Trainingsplan für 10 Kilometer in 54 Minuten vorgenommen. Und da ist in der ersten Woche ein „ruhiger Dauerlauf“ von 9 km in 60 Minuten vorgesehen. 6:40 min/km. Also wirklich langsam. Wie bekomme ich das hin?

Ich krame meine Laufuhr heraus. Die wollte ich eigentlich nicht mehr benutzen, um mich nicht unter Druck zu setzen. Aber in dem Fall ist es ja andersrum: Ich brauche die Uhr, um mich einzubremsen.

Ich starte die Uhr und laufe los. Der erste Kilometer zählt nicht, das ist der Hindernislauf, um aus unserem Viertel rauszukommen: Schulkinder, Baustellen, Fußgängerampeln. Als ich endlich auf einer einigermaßen ruhigen Strecke bin, geht es ausgerechnet bergab. Ich bremse, schaue auf die Laufuhr: zu schnell. Bremse weiter – Laufuhr sagt immer noch: zu schnell. Ich habe das Gefühl, das ständige Bremsen strengt mich mehr an als das schnellere Laufen. Vermisse den Schwung, den ich sonst aus jedem Schritt mitnehme.

Es fühlt sich an wie Zeitlupe. Aber interessanterweise komme ich doch gut voran, und bin früher als gedacht im Park, den ich als „Wendepunkt“ ausgesucht habe. Gerade jetzt kommt die Sonne raus.

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So mag sogar ich den Herbst.

Nachdem ich das Foto gemacht und das Handy wieder eingepackt habe, laufe ich weiter. Und auf einmal läufts. Auch mit weniger Tempo. Ich habe nicht mehr wie vorhin das Gefühl zu schleichen, sondern tatsächlich zu laufen. Und es fühlt sich gut an. Auf einmal verstehe ich, was mit diesen Aussagen wie „Du solltest dich noch unterhalten können“ gemeint ist. Nicht dass ich auf einmal das Bedürfnis hätte zu reden – das habe ich beim Laufen nie. Aber ich könnte, wenn ich wollte. Und ich habe das Gefühl, ich könnte in diesem Tempo noch sehr weit laufen, ohne irgendwie müde oder erschöpft zu sein.

Aber es sollen ja nur 9 Kilometer werden, also geht es schon wieder heimwärts. Ich habe sogar noch Reserven, um den kurzen Bergauf-Abschnitt kurz vor dem Ziel mit gleichbleibendem Tempo zu laufen. Und schaffe beinahe eine Punktlandung, sowohl was die Strecke als auch was die Zeit betrifft.

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Geht doch 🙂

 

Fazit: Ich kann langsam laufen, wenn ich will. Und ich glaube, es kann sogar Spaß machen!

 

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3 Gedanken zu „Baustelle: langsam laufen

  1. somi1407

    Super! Ich persönlich finde das langsame Laufen viel anstrengender als schnell. Man darf muss sich halt bremsen und kann nicht den Schwung nutzen, weil keiner da ist. Tipps für das langsame Laufen: ruhige Musik hören oder mit anderen, langsamen Läufern trainieren. Wenn ich Musik höre, laufe ich iimmer Gefahr mitzusingen. Peinlich! Aber genau dann stimmt das Tempo 😉

    Antwort
    1. liladistel Autor

      Danke dir 🙂 und schön zu lesen, dass es nicht nur mir so geht. Das mit der ruhigen Musik hatte ich mir auch schon mal überlegt – werde meine Playlist da mal etwas sortieren.

      Antwort

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