Archiv für den Monat November 2016

Foodsharing

Kein direkt veganes Thema. Aber immerhin geht es auch ums Essen. Und um Ressourcen. Damit also doch ein Thema für diesen Blog.

Vorab ein paar Daten und Fakten.

Weltweit werden pro Jahr etwa 4 Mrd. Tonnen Lebensmittel produziert. 1,3 Mrd. Tonnen davon werden verschwendet. Das ist ziemlich genau ein Drittel. Die Verschwendung passiert an allen Stellen der Wertschöpfungskette. Bei der Produktion und Verarbeitung, in Handel und Gastronomie und schließlich bei den Konsument*innen. Dabei sind in den Industriestaaten etwa 40 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel völlig genießbar. Sie landen unter anderem im Müll, weil sie bestimmten Anforderungen (z. B. hinsichtlich Größe oder Aussehen) nicht entsprechen oder schlicht zu viel sind (Quelle).

Die Initiative Foodsharing gründete sich im Jahr 2012 zunächst mit dem Ziel, Privatleuten eine Plattform zur Verfügung zu stellen, auf der sie Lebensmittel, die sie selbst nicht mehr aufbrauchen (können), in Form so genannter „Essenskörbe“ weiterverschenken können. Darüber hinaus gibt es immer mehr öffentliche Kühlschränke („Fair-Teiler“), wo jede*r Lebensmittel abgeben und/oder mitnehmen kann.

Im Jahr 2013 kam die Plattform lebensmittelretten.de hinzu, die mittlerweile mit foodsharing.de vereint wurde. Damit können sich Menschen („Foodsaver“) organisieren, um auch bei Lebensmittelgeschäften übrige Lebensmittel abzuholen und diese privat weiterzuverteilen. Auf diese Weise wurden bis zum heutigen Tag bereits über 6 Mio. Kilogramm an Lebensmitteln vor der Tonne gerettet. Dabei steht Foodsharing nicht in Konkurrenz zu den Tafeln, sondern engagiert sich gemeinsam mit diesen gegen Lebensmittelverschwendung. Große Supermärkte, die an die Tafel spenden, werden von Foodsharing nicht angesprochen. Die Foodsaver gehen häufig zu kleineren Betrieben, bei denen sich für die Tafel die Anfahrt oftmals nicht lohnt, oder holen Lebensmittel ab, die die Tafel aufgrund von Lebensmittelvorschriften nicht mitnehmen darf (z. B. zubereitete Speisen oder Lebensmittel, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist).

Warum bin ich bei Foodsharing?

Mir ging es schon immer gegen den Strich, Lebensmittel wegzuwerfen. Ich bin ein Mensch, der nichts losgelöst von dem sehen kann, was dahinter steht. Ich sehe nicht einfach eine Banane. Ich sehe eine Frucht, gewachsen, um gegessen zu werden. Ich sehe Arbeit, die nötig ist zum Pflanzen, zur Pflege, zur Ernte. Ich sehe Wasser, Transportwege, die notwendig sind, bis eben diese Banane hier im Geschäft liegt. So viel Aufwand – um sie dann wegzuwerfen, nur weil sie ein paar braune Stellen hat? Das hat die Frucht nicht verdient.

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Gerettete Lebensmittel im „Fair-Teiler“

Deshalb habe ich schon immer darauf geachtet, nur das einzukaufen, was ich auch wirklich brauche. Wenn dann eben nicht alles mögliche an Vorräten da ist – so what?!

Logisch, dass ich Lebensmittel über foodsharing.de weitergebe und auch mehrmals wöchentlich bei Betrieben abhole, oder? Es ist mir sehr wichtig, auf diese Weise ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung zu setzen. Auch wenn das vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein mag: Das, was wir abholen, wird schon nicht weggeworfen, sondern findet Abnehmer, die das Essen wertschätzen. Und wir machen Menschen auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam. Jeden Tag.

Was mache ich mit unveganen Lebensmitteln, die ich rette?

Diese Frage höre ich immer wieder und ja – das ist eine Entscheidung, der sich jede*r vegane Lebensmittelretter*in stellen muss. Letztendlich bin ich ja vegan, weil ich selbst keine Nachfrage nach „Produkten“ schaffen möchte, für die Tiere ausgenutzt werden. Mit den geretteten Lebensmitteln schaffe ich aber keine Nachfrage. Im Gegenteil: Indem diese geretteten Lebensmittel konsumiert und nicht weggeworfen werden, wird dem Elend der Tiere nicht auch noch dadurch das i-Tüpfelchen aufgesetzt, dass die „Lebensmittel“, die daraus entstehen, nachher auf dem Müll landen.

Es gibt Veganer*innen, die gerettetes Essen auch dann verbrauchen, wenn es tierischen Ursprungs ist – eben aus dieser Argumentation heraus. Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich tierische Produkte auch dann nicht konsumieren möchte. Ganz einfach, weil ich diese – für mich – nicht mehr als Lebensmittel betrachte. Ich verschenke gerettete Milchprodukte, Eier und Fleisch/Wurstwaren daher an Leute, die auch sonst solche Lebensmittel kaufen. Denn der Liter Milch, den ich weitergebe, wird schon nicht im Geschäft gekauft. So reduziere ich durch das Retten und Weiterverschenken der Lebensmittel die Nachfrage nach Lebensmitteln, für die Tiere leiden. Womit das Lebensmittelretten doch auch wieder einen veganen Bezug bekommt.

Übrigens:

Auch die Tatsache, dass weltweit über 90 Prozent der Sojaernte und über 50 Prozent der Getreideernte als Tierfutter verwendet werden, ist schlicht Lebensmittelverschwendung. Denn die Kalorien aus diesen Pflanzen (für die in nicht unerheblichem Maße Anbaufläche verbraucht wird) finden sich nur zu einem Bruchteil in Fleisch, Milch und Eiern wieder (Quelle).

Eine (ehemals) überzeugte Nichtläuferin unterwegs zu ihrem ersten Halbmarathon – Teil 2

Teil 1 liegt schon sehr lange zurück – höchste Zeit für den zweiten Teil. Ich kann schon vorab verraten: Geradlinig war der Weg nicht. Und das Ziel steht noch aus. Vielleicht sollte ich den Titel auch ändern in „Eine, die immer wieder bei Null anfängt“.

Nachdem ich meine Mittelfußprellung im Sommer 2011 auskuriert hatte, konnte ich ziemlich bald wieder ins Laufen einsteigen. Ich lief regelmäßig meine fünf bis sechs Kilometer lange Runde. Es tat mir gut, war der ideale Ausgleich zum Bürojob plus Teilzeitstudium. Wettkämpfe oder Läufe waren zu der Zeit nicht in meinem Plan, das Laufen betrieb ich nur aus Spaß an der Bewegung.

Im Frühjahr 2012 lernte ich meinen jetzigen Mann kennen und mit ihm das Mountainbiken. Nach den ersten Testfahrten auf seinem Mountainbike war mir schnell klar: willichhaben. Ich war zwar schon seit langem überzeugte Radlerin, aber bis dahin eher so die „Von-A-nach-B-Fahrerin“. Wenn ich Sport treiben wollte, ging ich laufen. Nun zog aber im Sommer ein schickes Mountainbike bei mir ein, und es war die ideale Ergänzung zum Lauftraining.

(Leider hat es andersrum nicht so ganz geklappt. Mein Mann zeigte guten Willen und ging ein paar Runden mit mir laufen, aber es wurde nie seins. Also lief ich halt allein weiter. Bin eh nicht so die gesellige Läuferin.)

2012 blieb ich vom Verletzungspech verschont. Dafür hatte ich Zwangspause, als bei mir im Herbst ein unterirdischer Hämoglobinwert festgestellt wurde. (Keine Ahnung, wie ich damit noch Tage vorher laufen und die Berge hochradeln konnte!) Erst als die Werte wieder einigermaßen normal waren, konnte ich vorsichtig wieder anfangen und dann über den Winter und Frühling kontinuierlich laufen. Beim Firmenlauf im Mai 2013 lief ich 5,87 Kilometer in 30,06 Sekunden (und wurde von meiner Kollegin am nächsten Morgen mit „Na, du Rennsemmel?!“ begrüßt).

Im Juli 2013 zogen wir in eine größere Wohnung. Während des Umzugs blieb wenig Zeit und wenig Kraft fürs Laufen, so dass mein Training fast zwei Monate flach fiel. Aber da war doch noch was…? Richtig, Jakobuslauf, drei Jahre vorher der Auslöser für meine ersten Laufversuche. Nachdem ich jetzt schon zweimal hintereinander nicht teilnehmen konnte (2011 war ich verletzt, 2012 klappte es wegen irgendwelcher Terminprobleme nicht) wollte ich dieses Mal endlich dabei sein. Vor den zehn Kilometern hatte ich zwar Respekt, dachte mir aber, dass ich da schon irgendwie durchkomme. Kam ich auch – auch wenn es teilweise ziemlich hart war. Auf den letzten paar hundert Metern konnte ich auf der Kirchturmuhr erkennen, dass ich es noch unter einer Stunde schaffen konnte, wenn ich mich beeilte. Und ich beeilte mich! Irgendwo hatte ich noch ein paar Reserven, die es mir erlaubten, gefühlt über die Zielgerade zu fliegen. Im Vorbeigehen hörte ich ein Kind zu seinen Eltern sagen: „Die rennt ja noch richtig!“ Und ich schaffte es tatsächlich über die Ziellinie, während die Uhr dort (der Lauf ist ohne Einzelzeitnahme) auf 59 Minuten irgendwas stand.

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Doch, ich hab mich gefreut im Ziel. Echt jetzt.

Irgendwann in der Zeit nach dem Jakobuslauf kam die Idee mit dem Halbmarathon auf. Wenn ich schon, ohne groß drauf zu trainieren, einen Zehn-Kilometer-Lauf in weniger als einer Stunde schaffen konnte, dann sollte mit dem richtigen Training doch auch ein Halbmarathon klappen, oder? Ausgesucht habe ich mir letztendlich dann den Halbmarathon in Ingolstadt. Der sollte im April 2014 stattfinden, und Ingolstadt mag ich sowieso, seit dich dort studiert habe (und damals in meiner Studienzeit schon Zuschauerin beim ersten Halbmarathon war. Natürlich noch als überzeugte Nichtläuferin).

Ich suchte mir also irgendwo online einen Trainingsplan mit zugehöriger App und begann zu laufen. Viel zu schnell, wie ich jetzt im Nachhinein weiß. (Da mir das Laufen so viel Spaß macht, neige ich eigentlich *immer* dazu, zu schnell zu laufen. Wenn ich mal bewusst langsam laufen will und mich fühle wie eine Schnecke, ist die Pace nachher tatsächlich etwa 5 Sek./km langsamer. Eine meiner Baustellen, bis heute.)

Die App war jedenfalls begeistert von meinem Lauftempo und gab mir auch entsprechend schnelle Zeiten für die Trainingsläufe vor, mit denen ich mich komplett überlastete. Was sich schließlich rächte. Ich hatte – zuerst nur beim Laufen, später auch zunehmend ohne mich zu bewegen – Schmerzen in der rechten Leiste. Die ich erstmal ignorierte nach dem Motto: Ist von selbst gekommen, geht auch von selbst wieder. Ging es nicht. Irgendwann fand ich mich beim Orthopäden, später beim Physiotherapeuten wieder. Was für Schmerzen das genau waren, weiß ich bis heute nicht. Aber ausgelöst wurden sie – da bin ich mir ziemlich sicher – durch das zu intensive Training. Und weg gingen sie letztendlich mit Tapen und – ja – Trainingspause.

Meinen Halbmarathon sagte ich ab. Meine ersten fünf Kilometer lief ich wieder irgendwann im Sommer.