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Eine (ehemals) überzeugte Nichtläuferin unterwegs zu ihrem ersten Halbmarathon – Teil 1

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als ich jeden Gedanken ans Laufen weit von mir wies. Zu anstrengend, zu langweilig, und überhaupt – das kann doch niemandem Spaß machen. Schau dir doch nur die gequälten Gesichter der Läufer an, die dir beim Spaziergang oder bei der Radtour entgegenkommen! Nein, ich war mir sicher: Laufen ist nicht mein Sport und wird es auch niemals sein.

Ich erinnere mich aber auch noch genau an den Tag, an dem sich das änderte. Und zwar schlagartig. Es war der 24. Juli 2010 – Jakobuslauf bei uns in der Stadt, zehn Kilometer ohne offizielle Zeitmessung, sondern unter dem Motto „Gemeinsam unterwegs sein“. Ein guter Bekannter von mir lief mit, ich war zum Sanitätsdienst dort. Und ich weiß noch gut, wie ich vor dem Start zu ihm sagte: „Du könntest mir jetzt sonstwas versprechen, aber ich würde hier nie mitlaufen.“ Der Lauf startete, ich schaute mir die Läufer an – und auf einmal dämmerte mir, wie viel Spaß das machen kann, mit vielen Gleichgesinnten zusammen diese Strecke zu laufen. Und während ein Läufer nach dem anderen wieder ins Ziel kam, versprach ich mir selbst: Ich möchte das auch erleben! Nächstes Jahr laufe ich hier mit!

Gleich am nächsten Tag – es war ein Sonntag – kramte ich meine uralten Laufschuhe heraus. Die stammten noch aus Studentenzeiten, als ich ab und zu mal eine kurze Strecke laufen war. Für den ersten Versuch taten die es allemal. Im benachbarten Park wollte ich nur mal ausprobieren, ob ich überhaupt eine Runde schaffe. Ich lief los – und es funktionierte! Nein, es funktionierte nicht nur, es machte Spaß! Die eine Runde hatte ich schnell geschafft, eine zweite sollte noch drin sein. Und dann wurde es noch eine dritte. Im Nachhinein kann ich nur noch schätzen, aber ich bin bei meinem ersten Versuch wohl so zwischen 30 und 40 Minuten gelaufen. Über den Muskelkater am nächsten Tag sage ich jetzt mal nichts…

Das war mein Einstieg. Ich glaube, am meisten faszinierte mich damals, dass ich es einfach so geschafft hatte. Ich war eigentlich als Kind schon die absolute Sportniete, die im Sportunterricht nicht einmal die paar Runden Warmlaufen durchhielt. Zu meinen schlimmsten Erinnerungen gehört noch heute eine Laufrunde über zwei oder drei Kilometer, die wir ebenfalls im Sportunterricht absolvieren mussten. Für mich damals eine einzige Quälerei, die mir die Lust aufs Laufen auch erstmal für lange Zeit verdorben hat.

Aber nun war es auf einmal anders. Ich konnte laufen. In den nächsten Tagen las ich mich quer durch Internet, fand dort Pläne für Einsteiger und fand heraus, dass es für den Anfang besser ist, zwischen Gehen und Laufen zu wechseln. Die nächsten Laufrunden absolvierte ich also mit Küchenwecker in der Tasche – zwei Minuten laufen, eine Minute gehen. Fühlte sich gut an. Die Laufphasen wurden länger, die Geheinheiten kürzer und weniger. Und das Wichtigste: Es machte immer noch Spaß. Ich freute mich auf jede Laufrunde. Schon bald lief ich (nach Plan) 30 Minuten am Stück und war stolz wie sonstwas.

Kurz darauf fand bei mir um die Ecke ein Wohltätigkeitslauf statt. Es gab zwei Streckenlängen: fünf Kilometer und acht Kilometer. Da meine normale Laufrunde zu der Zeit schon etwa fünf Kilometer betrug, meldete ich mich gleich mal für die acht Kilometer an. Am Lauftag selbst war tolles Laufwetter – sonnig, aber nicht zu heiß, und die Atmosphäre schon vor dem Start packte mich sofort. Ich lief einfach im Rudel mit – natürlich viel zu schnell vom Start weg. Für die ersten drei Kilometer brauchte ich gerade mal eine Viertelstunde. Das machte sich dann auch auf den nächsten Kilometern bemerkbar – vor allem auf dem letzten. Aber ich hatte mein Mantra: Ich werde über die Ziellinie laufen! Laufen, nicht gehen. Und schon gar nicht kriechen. Ich schaffte es – in etwas mehr als 48 Minuten. So hatte ich nun schon meinen ersten Lauf absolviert – nicht ganz zwei Monate, nachdem ich mit dem Laufen angefangen hatte.

Die schnelle Steigerung rächte sich. Ich hatte Schmerzen in den Knöcheln, vor allem morgens waren meine Knöchel regelrecht steif. Andererseits ging es mir in dieser Zeit psychisch sehr schlecht, und das Laufen war das einzige, was mir half, was wenigstens für eine halbe Stunde am Tag meine Mundwinkel nach oben ziehen konnte. Ich machte eine oder zwei Wochen Pause, lief dann aber weiter, weil es nicht anders ging. Ich brauchte das Laufen. Bei meinen nächsten Läufen achtete ich darauf, bewusst langsam zu laufen. Mit der Zeit wurden die Schmerzen weniger – ich weiß bis heute nicht, was es war.

Auch im Winter lief ich weiter. Ja, ich entdeckte meine Begeisterung für das Laufen im Winter, die bis heute ungebrochen ist. Gerade, wenn es draußen kalt ist, gibt es nichts Schöneres, als seine Runde zu drehen und zu spüren, wie der ganze Körper langsam von innen heraus warm wird. Man kann aber auch nie überhitzen wie im Sommer, denn die Kühlung bekommt man ja von außen gratis dazu. So sehr ich also sonst Sommerkind bin – für das Laufen bevorzuge ich die winterlichen Temperaturen!

Leider kam dann Anfang 2011 das Verletzungspech. Zuerst blieb ich mit meinem kleinen Zeh am Türrahmen hängen, was mir eine äußerst schmerzhafte Prellung und eine Laufpause von fast zwei Monaten bescherte. Danach tat ich mich schwer damit, wieder ins Lauftraining einzusteigen, und Ende Juni trat ich dann beim Baden im Meer so unglücklich auf einen Stein, dass ich mir eine Mittelfußprellung zuzog, mit der ich ebenfalls wieder über sechs Wochen meinen Spaß hatte. Der Jakobuslauf im Juli war damit gestorben – ich radelte mal wieder als Sanitäterin mit.

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