Schlagwort-Archive: Foodsharing

Foodsharing

Kein direkt veganes Thema. Aber immerhin geht es auch ums Essen. Und um Ressourcen. Damit also doch ein Thema für diesen Blog.

Vorab ein paar Daten und Fakten.

Weltweit werden pro Jahr etwa 4 Mrd. Tonnen Lebensmittel produziert. 1,3 Mrd. Tonnen davon werden verschwendet. Das ist ziemlich genau ein Drittel. Die Verschwendung passiert an allen Stellen der Wertschöpfungskette. Bei der Produktion und Verarbeitung, in Handel und Gastronomie und schließlich bei den Konsument*innen. Dabei sind in den Industriestaaten etwa 40 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel völlig genießbar. Sie landen unter anderem im Müll, weil sie bestimmten Anforderungen (z. B. hinsichtlich Größe oder Aussehen) nicht entsprechen oder schlicht zu viel sind (Quelle).

Die Initiative Foodsharing gründete sich im Jahr 2012 zunächst mit dem Ziel, Privatleuten eine Plattform zur Verfügung zu stellen, auf der sie Lebensmittel, die sie selbst nicht mehr aufbrauchen (können), in Form so genannter „Essenskörbe“ weiterverschenken können. Darüber hinaus gibt es immer mehr öffentliche Kühlschränke („Fair-Teiler“), wo jede*r Lebensmittel abgeben und/oder mitnehmen kann.

Im Jahr 2013 kam die Plattform lebensmittelretten.de hinzu, die mittlerweile mit foodsharing.de vereint wurde. Damit können sich Menschen („Foodsaver“) organisieren, um auch bei Lebensmittelgeschäften übrige Lebensmittel abzuholen und diese privat weiterzuverteilen. Auf diese Weise wurden bis zum heutigen Tag bereits über 6 Mio. Kilogramm an Lebensmitteln vor der Tonne gerettet. Dabei steht Foodsharing nicht in Konkurrenz zu den Tafeln, sondern engagiert sich gemeinsam mit diesen gegen Lebensmittelverschwendung. Große Supermärkte, die an die Tafel spenden, werden von Foodsharing nicht angesprochen. Die Foodsaver gehen häufig zu kleineren Betrieben, bei denen sich für die Tafel die Anfahrt oftmals nicht lohnt, oder holen Lebensmittel ab, die die Tafel aufgrund von Lebensmittelvorschriften nicht mitnehmen darf (z. B. zubereitete Speisen oder Lebensmittel, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist).

Warum bin ich bei Foodsharing?

Mir ging es schon immer gegen den Strich, Lebensmittel wegzuwerfen. Ich bin ein Mensch, der nichts losgelöst von dem sehen kann, was dahinter steht. Ich sehe nicht einfach eine Banane. Ich sehe eine Frucht, gewachsen, um gegessen zu werden. Ich sehe Arbeit, die nötig ist zum Pflanzen, zur Pflege, zur Ernte. Ich sehe Wasser, Transportwege, die notwendig sind, bis eben diese Banane hier im Geschäft liegt. So viel Aufwand – um sie dann wegzuwerfen, nur weil sie ein paar braune Stellen hat? Das hat die Frucht nicht verdient.

SAMSUNG

Gerettete Lebensmittel im „Fair-Teiler“

Deshalb habe ich schon immer darauf geachtet, nur das einzukaufen, was ich auch wirklich brauche. Wenn dann eben nicht alles mögliche an Vorräten da ist – so what?!

Logisch, dass ich Lebensmittel über foodsharing.de weitergebe und auch mehrmals wöchentlich bei Betrieben abhole, oder? Es ist mir sehr wichtig, auf diese Weise ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung zu setzen. Auch wenn das vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein mag: Das, was wir abholen, wird schon nicht weggeworfen, sondern findet Abnehmer, die das Essen wertschätzen. Und wir machen Menschen auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam. Jeden Tag.

Was mache ich mit unveganen Lebensmitteln, die ich rette?

Diese Frage höre ich immer wieder und ja – das ist eine Entscheidung, der sich jede*r vegane Lebensmittelretter*in stellen muss. Letztendlich bin ich ja vegan, weil ich selbst keine Nachfrage nach „Produkten“ schaffen möchte, für die Tiere ausgenutzt werden. Mit den geretteten Lebensmitteln schaffe ich aber keine Nachfrage. Im Gegenteil: Indem diese geretteten Lebensmittel konsumiert und nicht weggeworfen werden, wird dem Elend der Tiere nicht auch noch dadurch das i-Tüpfelchen aufgesetzt, dass die „Lebensmittel“, die daraus entstehen, nachher auf dem Müll landen.

Es gibt Veganer*innen, die gerettetes Essen auch dann verbrauchen, wenn es tierischen Ursprungs ist – eben aus dieser Argumentation heraus. Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich tierische Produkte auch dann nicht konsumieren möchte. Ganz einfach, weil ich diese – für mich – nicht mehr als Lebensmittel betrachte. Ich verschenke gerettete Milchprodukte, Eier und Fleisch/Wurstwaren daher an Leute, die auch sonst solche Lebensmittel kaufen. Denn der Liter Milch, den ich weitergebe, wird schon nicht im Geschäft gekauft. So reduziere ich durch das Retten und Weiterverschenken der Lebensmittel die Nachfrage nach Lebensmitteln, für die Tiere leiden. Womit das Lebensmittelretten doch auch wieder einen veganen Bezug bekommt.

Übrigens:

Auch die Tatsache, dass weltweit über 90 Prozent der Sojaernte und über 50 Prozent der Getreideernte als Tierfutter verwendet werden, ist schlicht Lebensmittelverschwendung. Denn die Kalorien aus diesen Pflanzen (für die in nicht unerheblichem Maße Anbaufläche verbraucht wird) finden sich nur zu einem Bruchteil in Fleisch, Milch und Eiern wieder (Quelle).